Hessische Landesregierung stellt Start-up Strategie Hessen 2030 vor
Mit der Strategie setzt Hessen auf eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Kapitalgebern, Unternehmen und Start-ups, um Gründungen schneller in erfolgreiche Wachstumsunternehmen zu überführen.
- Hessen stärkt sein Start-up Ökosystem mit einer neuen Strategie bis 2030
- Fokus auf Zukunftstechnologien und wachstumsstarke Schlüsselbranchen
- Neuer Start-up Council bündelt Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Investoren
Die hessische Landesregierung hat die neue Start-up-Strategie Hessen 2030 vorgestellt. Mit der Strategie setzt Hessen auf eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Kapitalgebern, Unternehmen und Start-ups, um Gründungen schneller in erfolgreiche Wachstumsunternehmen zu überführen. Details stellten der stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori und Digitalministerin Kristina Sinemus am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz beim hessischen Scale-up Wingcopter in Weiterstadt vor. Die Start-up-Strategie zielt darauf ab, die Stärken des Standorts Hessen für Start-ups zu nutzen und das Start-up-Ökosystem bis 2030 gezielt auszubauen.
„Innovationen und neue Geschäftsideen sind wichtige Treiber für eine lebendige, zukunftsorientierte und stabile Wirtschaft. Deshalb braucht es ein gründerfreundliches Umfeld, um möglichst viele dieser Ideen weiterzuentwickeln und bestenfalls marktfähig zu machen. Hessen verfügt über eine starke industrielle Basis, exzellente Forschungseinrichtungen und eine wachsende Gründungsszene. Start-Ups schaffen hochwertige Arbeitsplätze und stärken langfristig Wohlstand und Lebensqualität in unserem Land. Mit der Start-up-Strategie Hessen 2030 setzen wir einen klaren Zukunftskurs für unseren Wirtschaftsstandort“, sagte der Hessische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori bei der Pressekonferenz.
Die neue Start-up-Strategie basiert auf einer im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums von der Unternehmensberatung Bain durchgeführten Studie, die vom Hessischen Start-up-Beauftragten Holger Follmann und vom StartHub Hessen (Hessen Trade & Invest) intensiv begleitet wurde. Entsprechend der daraus entwickelten Empfehlungen soll die Zusammenarbeit im hessischen Start-up-Ökosystem intensiviert, bestehende Aktivitäten stärker gebündelt, fokussiert und gemeinsam vorangetrieben werden. Hessen soll damit zu einem der führenden Start-up-Standorte in Deutschland und Europa werden.
Fokus auf zentrale Branchen und Technologien
Wesentlicher Bestandteil der Start-up-Strategie Hessen 2030 ist die Fokussierung auf die Sektoren Banking und Finance, Life Sciences und Healthcare, Aviation, Aerospace und Defense sowie Optics und Photonics. Hinzu kommt eine Konzentration auf die Technologien Data und AI sowie DeepTech und GreenTech. Sie bilden die industriellen und technologischen Stärken der hessischen Wirtschaft, den Marktbedarf und die vorhandene wissenschaftliche Expertise ab. Daher werden sie künftig im Fokus der Unterstützungs- und Förderstrategie für hessische Start-ups stehen. Auf diese Weise sollen vorhandene Ressourcen gezielter eingesetzt und ihre Wirkung erhöht werden.
Schon heute ist die hessische Landesregierung bei der Unterstützung von Start-ups in neuen Fokustechnologien erfolgreich. So wurde im Mai 2026 unter Federführung des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung und Innovation in Frankfurt ein neues Anwendungszentrum für Künstliche Intelligenz und Quantencomputing eröffnet.
„Die Zukunft ist digital – und wir wollen, dass sie aus Hessen heraus gestaltet wird. Mit unserer Start-up-Strategie, dem KI-Ökosystem rund um hessian.AI, der Förderung innovativer Gründungen durch Distr@l und dem Innovationsstandort Bertramshof bauen wir die Brücke von exzellenter Forschung zu wirtschaftlichem Erfolg“, so Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus. „Unser Ziel ist klar: Die nächste Generation erfolgreicher Technologieunternehmen soll in Hessen entstehen. Denn Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie soll den Menschen dienen, unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern und dazu beitragen, die digitale Souveränität Deutschlands und Europas zu stärken.“
Wissenschaftsminister Timon Gremmels betont: „Hessens Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind zentrale Orte für Innovationen und zukunftsfähige Entwicklungen. Wenn aus wissenschaftlicher Exzellenz mehr erfolgreiche Ausgründungen hervorgehen sollen, brauchen Gründerinnen und Gründer klare Wege, verlässliche Transferstrukturen und starke Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kapitalgebern und Verwaltung. Die Start-up-Strategie setzt hier die richtigen Akzente: Sie denkt Wissenschaft, Wirtschaft und Gründungsökosystem stärker zusammen und leistet damit einen wichtigen Beitrag, Hessen als Standort für wissens- und technologiebasierte Start-ups weiter nach vorne zu bringen.“
WINGCOPTER: Internationaler Erfolg mit Hessischen Wurzeln
Dass es gelingen kann, von Hessen aus auch international erfolgreich zu sein, zeigt die am Donnerstag im Rahmen der Pressekonferenz gastgebende Wingcopter GmbH. „2017 haben wir Wingcopter in Darmstadt gegründet – mit der Vision, effiziente und nachhaltige Drohnenlösungen zu schaffen. Heute entwickeln und produzieren wir in Hessen unbemannte Flugsysteme, die international in der medizinischen und logistischen Versorgung, bei der Inspektion und Wartung kritischer Infrastrukturen sowie für Sicherheits- und Verteidigungsaufgaben zum Einsatz kommen“, erklärt Mit-Gründer und Geschäftsführer Tom Plümmer. „Unser Weg zeigt, was möglich ist, wenn exzellente Forschung, unternehmerischer Mut und die richtigen Rahmenbedingungen zusammenkommen. Wingcopter steht damit beispielhaft dafür, dass in Hessen industrielle Wertschöpfung, internationale Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität entstehen und skalieren kann.“
Um die Zahl solcher erfolgreichen Start-ups deutlich zu steigern, empfiehlt die von Bain erstellte Studie der hessischen Landesregierung die Schaffung einer neuen Governance-Struktur. „Erfolgreiche Start-up-Ökosysteme haben eine klare Governance und Ziele, das hat die Studie gezeigt. Wir werden auch in Hessen klare Strukturen schaffen, um die Vernetzung von Politik, Ökosystem und Wirtschaft für Start-ups voranzutreiben“, erklärte Holger Follmann, Start-up-Beauftragter der Hessischen Landesregierung am Donnerstag.
Start-up Council soll Start-up-Aktivitäten steuern
Es soll daher mit einem Start-up Council in Hessen ein Lenkungsgremium zur ressortübergreifenden Abstimmung der hessischen Start-up-Aktivitäten entstehen. Unter Führung des Hessischen Wirtschaftsministeriums sollen die für Start-up-Angelegenheiten zuständigen hessischen Ministerien und der Hessische Start-up-Beauftragte sowie Expertinnen und Experten eine zentrale Instanz bilden. Ziel ist es, die vorhandenen Budgets und Aktivitäten für hessische Start-ups besser zu koordinieren und untereinander abzustimmen. Ein Start-up Board, bestehend aus drei bis vier hochkarätigen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Ökosystem, soll unter Führung des Hessischen Wirtschaftsministeriums als Beirat wirken. Es soll das Council inhaltlich unterstützen und vor allem nach außen wirken. „Wir haben ein umfassendes Benchmarking mit international führenden Start-up-Ökosystemen durchgeführt. Die Conclusio für Hessen ist eindeutig: Es braucht eine Bündelung der Kräfte. Hochschulen, Investoren, Unternehmen, Verwaltung und Start-ups müssen enger und strategischer zusammenarbeiten“, so Walter Sinn, Chairman und Senior Partner von Bain in Deutschland.
Zur Studie
Im Rahmen der Studie wurden knapp 100 Vertreterinnen und Vertreter des hessischen Start-up-Ökosystems, der hessischen Wirtschaft, Investoren und Weitere interviewt. Die Anregungen aus diesen Gesprächen sind in die Erstellung der hessischen Start-up-Strategie Hessen 2030 eingeflossen. Darüber hinaus wurden elf national wie international führende Start-up-Ökosysteme hinsichtlich ihrer Erfolgsfaktoren untersucht. Die Priorisierung der definierten Fokussektoren soll regelmäßig im Abstand von mehreren Jahren überprüft werden, wobei eine Anpassung der Sektoren bei nachgewiesener wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Stärke möglich ist.
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